Bei NaturKraftWerke gibt es kaum Left-overs, denn wir setzen auf Vollverwertung: Aus jeder Saat machen wir so viel wie möglich. Hier erfährst du, was nach dem Pressen mit dem Rest passiert.

Was Vollverwertung bedeutet
Vollverwertung heisst, einen Rohstoff so vollständig wie möglich zu nutzen. Statt nur den wertvollsten Teil herauszulösen und den Rest zu entsorgen, suchen wir für jeden Teil einer Saat eine sinnvolle Verwendung. Das klingt selbstverständlich, ist in der Lebensmittelindustrie aber keineswegs die Regel.
In der Schweiz gehen laut Bundesamt für Umwelt jedes Jahr rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren, entlang der ganzen Kette vom Feld bis zum Teller. Ein Teil davon entsteht bei der Verarbeitung. Genau dort setzen wir an: Was bei uns in der Ölmühle anfällt, soll möglichst wieder zu einem Lebensmittel oder einem nützlichen Produkt werden.
Vollverwertung beim Lein: vom Öl bis zum Mehl
Nach dem kalten Pressen bleibt vom Leinsamen der Presskuchen übrig. Diesen vermahlen wir zu Leinsamenmehl. Das Restöl kochen wir ein, so entsteht Leinöl-Firnis für Handwerk und Holzpflege. Ausserdem vermahlen wir Presskuchen aus anderen Quellen, damit auch dort nichts verloren geht. Du findest diese Produkte in unserer Rubrik Pulver & Mehle.
Vom Presskuchen zum Lebensmittel
Beim kalten Pressen trennt sich das Öl vom festen Rest der Saat, dem sogenannten Presskuchen. Darin bleibt ein grosser Teil der Eiweisse und Ballaststoffe zurück. Wir vermahlen diesen Presskuchen schonend, so entstehen Mehle mit eigenem Charakter. Weil dem Mehl ein Teil des Öls entzogen ist, verhält es sich in der Küche anders als ganze, geschrotete Samen.
Diese Arbeit erledigen wir selbst, in unserer Manufaktur in Aathal. So behalten wir die Kontrolle über jeden Schritt, vom Pressen über das Vermahlen bis zum Abfüllen. Das braucht mehr Zeit und Handarbeit als eine industrielle Linie. Dafür wissen wir bei jedem Glas genau, woher der Inhalt stammt und wie er entstanden ist, und können diese Geschichte auch erzählen.
High Fiber und High Protein: Vollverwertung aus eigener Herstellung
Auch unsere High-Fiber- und High-Protein-Produkte stellen wir selbst her, und zwar nach demselben Prinzip der Vollverwertung. So wird aus dem, was andere als Nebenprodukt betrachten, ein eigenständiges Lebensmittel.
Vollverwertung ergibt für uns auch ökologisch und wirtschaftlich Sinn. Jede Saat, die wir einkaufen, wurde mit viel Arbeit angebaut, geerntet und transportiert. Wenn wir sie vollständig nutzen, würdigen wir diese Arbeit und brauchen insgesamt weniger Rohstoffe. Das Prinzip kennen viele aus der Küche ihrer Grosseltern, in der nichts verkommen durfte.
Inspiriert von Cradle to Cradle
Hinter unserer Vollverwertung steht eine Haltung. Gründer Antonius Conte nennt das Prinzip «Cradle to Cradle» als Inspiration: In einem echten Kreislauf gibt es keinen Abfall, sondern nur Rohstoffe für den nächsten Schritt. Diesem Ideal kommen wir nicht immer ganz nahe, aber es zeigt uns die Richtung.
Kochen mit Leinsamenmehl
Rezeptideen mit Leinsamenmehl findest du in unserer Weltküche. Dort sammeln wir Rezepte, die Kulturen und Küchen unkompliziert zusammenbringen.
Vollverwertung in der Kunst
Der Kunstmaler Eugen Meier nutzt Leinöl-Reste für seine Farben. Für seine Skulpturen arbeitet er zudem teilweise mit Karton aus der Ölmühle und der NaturKraftWerke-Manufaktur. Kunst und Lebensmittel gehören bei uns seit jeher zusammen, wie Gründer Antonius Conte im Interview erzählt.

Wo Vollverwertung an Grenzen stösst
Ehrlicherweise gelingt uns die Vollverwertung nicht bei jedem Rohstoff gleich gut. Manche Reste lassen sich nicht sinnvoll zu einem Lebensmittel verarbeiten, und für kleine Mengen lohnt sich ein eigenes Produkt nicht immer. In diesen Fällen suchen wir die nächstbeste Lösung, etwa als Futter für Tiere. Wichtig ist uns, dass wir die Frage bei jedem Rohstoff neu stellen: Was können wir aus dem Rest noch machen?
Was dann noch übrig bleibt
Bleiben trotzdem pflanzliche Reste übrig, kommen sie Tieren als Futterzusatz zugute. So schliesst sich der Kreislauf auf dem Bauernhof, und auch dieser letzte Teil der Saat erfüllt noch einen Zweck.

Vollverwertung in deiner Küche
Vollverwertung beginnt nicht erst in der Ölmühle, sondern auch zu Hause. Ein paar einfache Ideen:
- Bewahre Öle kühl und dunkel auf und kaufe lieber kleinere Einheiten, damit nichts ranzig wird.
- Verwende Gemüseabschnitte für eine Bouillon, statt sie wegzuwerfen.
- Ersetze einen Teil des Mehls in Brot oder Gebäck durch Leinsamenmehl.
- Plane Einkäufe nach dem, was du in den nächsten Tagen wirklich kochst.
Vollverwertung: häufige Fragen
Ist Leinsamenmehl dasselbe wie geschroteter Leinsamen?
Nein. Geschroteter Leinsamen enthält noch das ganze Öl. Leinsamenmehl wird dagegen aus dem Presskuchen gewonnen, also nachdem ein Teil des Öls abgepresst wurde. Es ist deshalb fettärmer und lässt sich anders verarbeiten.
Wofür brauche ich Leinöl-Firnis?
Leinöl-Firnis ist ein traditionelles Mittel, um Holz zu pflegen und zu schützen, zum Beispiel Möbel, Schneidebretter oder Fensterrahmen. Es zieht in das Holz ein und härtet an der Luft aus. Leinöl-Firnis ist kein Lebensmittel.
Sind Produkte aus Presskuchen weniger wertvoll?
Nein. Der Presskuchen stammt aus derselben Saat wie das Öl und hat dieselbe Herkunft und Qualität. Er ist kein Abfall, sondern ein Teil der Saat, der in vielen Ölmühlen allerdings als Tierfutter endet. Wir finden, dass er mehr verdient, und machen deshalb Lebensmittel daraus.
Was hat Vollverwertung mit Nachhaltigkeit zu tun?
Wer einen Rohstoff vollständig nutzt, braucht für dieselbe Menge Lebensmittel weniger Anbaufläche, weniger Transporte und weniger Energie. Gleichzeitig würdigt Vollverwertung die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern, die die Saat angebaut haben. Deshalb gehört sie für uns zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln.
Ein Ziel, das alle teilen
Eine Ressource ganz zu nutzen ist ein Anliegen, hinter dem sich fast alle versammeln können: Landwirtschaft, Handwerk, Kunst und Konsumentinnen. Darum gehört Vollverwertung für uns genauso zur Qualität wie die Herkunft der Saat oder die richtige Verpackung, etwa unser Violettglas, das Lebensmittel länger frisch hält.